Ein Remake von Schnitzlers
„Reigen“.
Im „Reigen“ treten zehn Figuren paarweise auf, einer/eine
wird pro Szene ausgetauscht und trifft auf den nächsten Partner
in aufsteigender gesellschaftlicher Rangordnung, von der Dirne zum
Graf, und alle sind durch Affären miteinander verbunden. Die
Themen des Stücks sind Macht, Sex und Moral, die Szenen zeigen
die Paare vor und nach dem Geschlechtsakt und es sind keine Liebesgeschichten.
Als vor 10 Jahren die Schauspielerin und spätere Schwulenikone
aus Jena den Meister der Klappe und späteren Stiefvater ihrer
Kinder in Los Angeles traf und die beiden sich sofort verliebten,
war das der Beginn dieses Berliner Reigens. Alle 20 Protagonisten
sind durch wissenschaftliches Arbeiten, Kunstproduktionen und Sex
in verschiedenen sich überschneidenden Konstellationen verknüpft.
Im Schattenfilm treffen sie paarweise in kurzen Zwiegesprächen
aufeinander, die viele Themen berühren (was gerade am Drehtag
in der Luft lag), und in Plaudereien und Tratsch formuliert sich,
was man die Intimität der Freundschaft nennen könnte.
Trailer No1 aus dem Film:
SILHOUETTES nach einer wahren Geschichte von
Susanne Sachsse, Marc Siegel und Freunden
Kapitel 18: Jennifer und Susanne
Freundschaft folgt einer anderen Zeitökonomie
als die Affäre. Sie entwickelt sich nur unter der Bedingung
der Langfristigkeit, der Freund ist nicht einfach da, wird nicht
sofort erkannt, er braucht Bewegungsspielraum, Freundschaft ist
immer im Werden, entwickelt sich langsam. Sie ist ein Versprechen
und ihre Gegenwart ist nur eine Stellprobe, heute Abend als Schatten-
und Liebesspiel.
Die Protagonisten sind nur als Silhouetten erkenntlich, eine billige
Abstraktion, die es aber ermöglicht, dass Gefühle jenseits
der erkennungsdienstlich-psychologisierenden Festsetzung von Subjekten
zur Sprache kommen.
In dem einstündigen Schattenfilm
treffen aufeinander:
die zweifach Geschiedene aus Jena, der Professor für Theorie,
Praxis und Vermittlung, der Pole, Mister Klappe New York, der Undergroundfilmer
aus Köln, der Autodidakt aus Oregon, der Pornograph wider Willen,
die Mutter der Zwillinge, der Künstler aus Paris, der Promiskuitätstheoretiker
aus New York, der Freund, die feine Dame aus Düsseldorf, die
retarded whore, der Herausgeber aus Kreuzberg, der Klatschtheoretiker
von der Freien Universität Berlin, die französische Diva,
die Künstlerin, der schwarz-weiß-Filmer aus Winnipeg,
die Filmkuratorin vom Potsdamer Platz, der Dandy des Prekariats,
die amerikanische Intimitäts-Dialektikerin, der Zwillingsbruder
und... Salome geht vorbei.