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BERATUNGSBÜRO FÜR DIE VOLLENDETE
ZUKUNFT
Fachspezifische individuelle Vorhersagen
in 15 - minütigen Einzelgesprächen
Do. 5. - So. 8. Juni 2008, HAU 2, Berlin
Ein Projekt der Mobilen Akademie für den Kongress »Prognosen
über
Bewegungen« Performances und Lectures
Das Angebot an unsere Kunden ist eine Vorhersage im Futur II (Futurum
exaktum): Wir betrachten Ihre Gegenwart als Material mit einem uneinholbaren,
weil nur zukünftigen Bedeutungswert. Sie treffen auf wahrsagende
Experten, die sich rückblickend aus der Zukunft an Ihre Gegenwart
erinnern, um Sie zu wichtigen Fragen und Aspekten Ihrer derzeitigen
Lebenssituation zu beraten, die ihre Zukunft erst noch produzieren
muss.
Die Begegnung von Experte und Kunde findet im Filmset eines Detektivbüros
statt und wird mit Kameras beobachtet. In diesem Set wird allerdings
nicht nach Indizien für bereits geschehene Verbrechen und nicht
erwiesene Unschuld gesucht, sondern Symptome der Gegenwart durch
prognostische Behandlung als Spur einer zukünftigen Wahrheit diagnostiziert.
Die Prognosegespräche werden aufgezeichnet und sind an mehreren
Sichtplätzen einsehbar.
Prognostizierende Experten und Expertinnen:
Gabriele Brandstetter: Wie ich mich bewegt haben werde
Karin Harrasser: Welcher Akteur werde ich gewesen sein (Bibelstechen
mit Bruno Latour)
Helgard Haug: Welcher Experte ich gewesen sein werde
Judith Hopf: Wie ich geliebt haben werde
Nicolas Siepen: Was ich nicht getan haben werde
Hasso Spode: Wohin ich gereist sein werden

Sherlock Holmes konsultiert eine Kartenlegerin
Das Angebot an unsere Kunden im Einzelnen:
1
Wie ich geliebt haben werde
Judith Hopf, Künstlerin, Filmemacherin
Head Of Department for Pictorial Studies, Fynske Art Academy, Odense,
DK
letzte Ausstellung und Publikation: Konzepte der Liebe, Kölnischer
Kunstverein 2008 (in Zusammenarbeit mit Anja Natahn-Dorn und Kathrin
Jentjens)
Judith Hopf
Die Erfahrung des "In-Liebe-Fallens" lässt sich
bekanntlich nicht herstellen. Mag es auch "Techniken"
und Modelle in Bezug auf die "Objektwahl" geben, wie es
Klaus Theweleit ausdrückt, durch die sich die Liebe entzünden
kann und sich dann an den gesellschaftlichen Konsens anknüpfen
und in die Machtverhältnisse einfügen lässt. Sexuelle
Begehren, die nach Befriedigung streben, scheinen sich nicht nur
verbieten und verfolgen zu lassen. Sie werden auch unermüdlich
zu Kapital gemacht, multi-medial gedealt, organisiert und vertickt.
Was kann dann aber den Liebes-Raum bilden, den wir an das Begehren
anschließen mögen und der in erster Linie den Dynamiken
der Machterhaltung gängiger Verhältnisse folge leistet?
Wie werden Sie also geliebt haben?
2
Was ich nicht getan haben werde
Nicolas Siepen, Künstler, Filmemacher,
Autor, Mitbegründer des Projekts b_books. Er schreibt für
Springerin, Texte zur Kunst, Frakcija, Phase Zwei, FAZ (Berliner
Seiten), Starship und Artfan und ist Mitherausgeber der Zeitschriften
A.N.Y.P. und ASSEMBLY INTERNATIONAL.
Nicolas Siepen
Es wird sehr angenehm gewesen sein, nichts getan zu haben, aber
auch beunruhigend. Es gibt keine andere Lösung als diese in
die irregehende Bewegung: keine Meinung zu haben, keine Idee zu
diesem oder jenem Punkt, kein Leiden an Kommunikationslosigkeit,
denn das Schöne im Leben - so könnte man es sehen - sind
die Löcher, die Lücken, die sie enthaltenden Katalepsien
oder Somnambulismen.
3
Welcher Akteur werde ich gewesen sein. (Bibelstechen mit Bruno Latour)
Dr. Karin Harrasser, Literatur- und
Kulturwissenschaftlerin, Leiterin des Vereins Science Communications
Research, Wien, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität
Wien und Humboldt-Universität zu Berlin an den jeweiligen germanistischen
Instituten, Forschung zur Wissensgeschichte der Prothetik.
Dr. Karin Harrasser
Akteur ist der/die/das einen Unterschied macht, der/die/das eine
Spur hinterlässt, ohne den/die die Welt anders ausgehen würde.
Politik ist folglich - nach Bruno Latour - eine Aufmerksamkeit für
neu auftauchende Akteure, ihre Mobilisierung und ihre systematische
Integration in Verhandlungsprozesse. Denn Akteure haben Anliegen
und die Anliegen haben sie. Akteur werden können deshalb indische
Kühe genauso wie Gotteskrieger oder Spiegelneuronen, Strahlen
aus Mobiltelephonen oder UNO-Generalsekretäre, Clonschafe,
Dschinns - oder Sie.
4
Wohin ich gereist sein werden
Priv.- Doz. Dr. Hasso Spode Historiker,
Soziologe, Hrg. von Voyage, Jahrbuch für Reise- und Tourismusforschung,
letzte Veröffentlichung: Ressource Zukunft. Die sieben Entscheidungsfelder
der deutschen Reform (2008), Leiter des Historischen Archivs zum
Tourismus (HAT), FU Berlin
Dr. Hasso Spode
Es gibt viele Punkte auf dem Globus, wo die Welt noch anders ist,
das ist toll, z.B. für Touristen und die können das tatsächlich
mit eigenen Augen sehen. Leider heißt das logischerweise:
die Welt ist furchtbar klein geworden, dank Thomas Cook und GPS.
Ergo sind die besten Reisen die, die im Kopf stattfinden. Das ganze
Leben ist eine Reise. Ergo ist das Ziel vorherbestimmt: die Nichtexistenz.
Aber die Zwischenzeit sollte man irgendwie nutzen. Wie Sie das getan
haben werden, erfahren Sie hier.
5
Welcher Experte ich gewesen sein werde
Helgard Haug, Regisseurin arbeitet
seit 2000 unter dem Label Rimini Protokoll im Bereich Theater, Hörspiel
und Film und immer in der Grauzone zwischen Realität und Fiktion.
Helgard Haug
Den Inszenierungen von Rimini Protokoll gehen jeweils intensive
Recherchephasen und sogenannte 'Castings' voraus. Bei einem solchen
Treffen wissen beide beteiligte Parteien (Gast und Gastgeber) vorerst
nicht ob sie sich für einander und die beginnende Arbeit entscheiden
können und wohin sie sie führen wird. Heute wird eine
Abkürzung genommen: schon bei der ersten Begegnung steht nicht
nur der eigene Part fest, sondern das ganze Ensemble, das Stück,
die Bühne, die Zuschauerreaktionen, die Aufführungstermine
und Gastspiele und die Kritiken und auch der Punkt an dem alles
vorbei gewesen sein wird.
6
Wie ich mich bewegt haben werde
Prof. Dr. Gabriele Brandstetter Theaterwissenschaftlerin
mit Schwerpunkt Tanz. Gründerin des Zentrums für Bewegungsforschung,
FU Berlin; Forschungsprojekt zu "Bewegung und (Be-)Rührung";
jüngste Publikationen zu "Tanz als Anthropologie"
und zur Bewegung von Schwärmen.
Prof. Dr. Gabriele Brandstetter
Das Ziel einer Bewegung lässt sich zumeist voraussagen; und
oft meinen wir, auch den Grund für eine Bewegung zu wissen.
Nicht selten aber kommen wir, schon im Verlauf einer Geste, im Gang
einer Bewegung als ein Anderer - verwandelt - an. Wie könnte
man solche Abweichungen vom Weg
der Bewegung mit ihrer Vorhersage abgleichen? Welche Begegnungen,
Störungen und Versprechen verbinden sich damit? Und könnte
es sein, dass gerade hier der Grund für die innere Bewegung,
die Sie gefühlt haben werden, zu suchen ist? Welche Bewegungen
also werden Sie geträumt haben?

das Beratungsbüro
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