|
www.de-bug.de/news/1196.html
de:bug. elektronische lebensaspekte. oktober
2002
newsreviewstextenetworkcharts
FLÜCHTEN Dienstleistungen
an Unerwünschten in der Berliner Volksbühne
Migration ist ein ebenso schwieriges, wie brennendes Thema, eines,
das nicht zuletzt unter seiner beängstigenden politischen Härte
leidet. Oft scheint einem außer Betroffenheit nichts übrig
zu bleiben. Das sorgt für eine hohe moralisch-pathetische Aufladung
und macht es ebenso unbeweglich, wie klebrig. Nichts desto trotz
hat sich die Internationale Mobile Akademie, die an verschiedenen
Standorten zu Theater, Bildender Kunst und Aktivismus arbeitet,
dieses Wochenende des Themas angenommen und Experten eingeladen,
die sich im Alltag mit Flüchtlingen als Anwalt, Reporter, Sozialarbeiter
oder Aktivisten auseinandersetzen - darunter etwa Madjiguène
Cissé, die Sprecherin der Sans Papier, Filmer Haroun Farocki,
Grenztheoretikerin Eva Horn, Kameramann Armin Wünsche, Kulturtheoretiker
Joseph Vogl, Rechtsanwalt Hunert Heinhold von Pro Asyl, Florian
Schneider von "Kein Mensch ist illegal" et. al. Tatsächlich
hat es die Volksbühne mit dieser Veranstaltung verstanden,
exakt auf den Punkt zu kommen. Was einerseits der hohen Kompetenz
und Erlebnisberichten der Eingeladenen zu verdanken war, andererseits
dem Bühnenbildner Bert Neumann, der die Volksbühne mit
verschiedenen Pressspanplatten Bungalows für "Die Idioten"
quer neu durchstrukturiert hatte. Die verschiedenen Gespräche
fanden parallel in einzelnen Häuser statt und waren durch Infracom-Simultanübersetzungs-Geräte
anwählbar. Das Symposium als Radioübertragung: Eingeschlossene
Sprecher, abgeschnitten von ihrer Umwelt, eine irritierende Situation,
die die harte Absurdität des Flüchtens verdeutlichte und
dadurch irgendwie rückwärts durch die Distanz von Stimme
und Körper eine extrem produktive Situation erzeugte. Dazu
hohe inhaltliche Qualität. War schon beeindruckend
|