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Bühnenbild und Lichtdesign

"Imitation of Life" Bert Neumann, Bühnen- und Kostümbildner, Berlin (9 Tage)

Bühnenbildstudium. Zusammenarbeit u.a. mit Frank Castorf, Leander Haußmann, Peter Konwitschny und Thomas Langhoff. Seit 1992 ist er Chef-Bühnenbildner der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Zusammen mit der Agentur LSD entwirft er Imagekampagnen für Theater, Festivals und Publikationen, u.a. auch für das Bochumer Schauspielhaus. Die dabei entstandenen Logos und Objekte wie Spruchbänder, Streichholzschachteln, Aufkleber, Postkarten, auf denen die verschwundene Ornamentik und das billige Material der Ostkonsumgüter recycelt wird, sind sofort zu Sammlerobjekten geworden. Neumanns Räume sind karg und konzipiert wie eine Kunstinstallation, glamourös und agitatorisch wie Pop Art. In ihnen spiegelt sich die öffentliche Ästhetik der Großstadt:

"Das erste, das mit der Wende 1989 kam, war die Reklame, die das Stadtbild total verändert hat, die Illusionsherstellung auf einer Plakatwand. Solche Wände haben aber auch eine Rückseite, die mich interessiert, die Rückseite der Illusionen sozusagen. Oder die Einkauszentren, die plötzlich überall entstanden. Vom ökologischen Standpunkt aus könnte man sagen, die sind furchtbar, weil sie Natur zerstören etc. Andererseits sind sie das konsequente Gebilde des späten 20. Jahrhunderts, Ökonomie pur, brutalste Marktwirtschaft. Das Neongrelle dieser Einkaufszeilen hat etwas Filmisches, in der Konsequenz ist das eine beeindruckende Kulisse."

Einfaches Material, geblümte Scheußlichkeiten, Sperrholz, Wellpappe, gestanzte Löcher und Kabel - bei Neumann sieht man, daß der schöne Schein gebastelt, geklebt und genagelt ist: "Die perfekte Bühnenillusion halte ich nur für billige Manipulation. Und wenn etwas ausformuliert ist bis zum letzten, dann finde ich es ohnehin schon uninteressant." Bert Neumann erforscht in seinem Kurs die uns umgebende Realität als Fassade und Kulisse und arbeitet praktisch an einer Übersetzung und Umsetzung dieses Gedankens für die Bühne.

"Die Welt wird immer gelber!" Ulrich Schneider, Lichtgestalter, Berlin (9 Tage)

Nach einem Bergbaustudium arbeitete Ulrich Schneider in verschiedenen Steinkohle- und Salzbergwerken, bevor er durch einen Gelegenheitsjob zur Finanzierung seines Studiums ans Theater kam. Ausbildung zum Beleuchtungsmeister, dann Beleuchtungschef in Köln und seit 1995 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, wo er u.a. mit Christoph Marthaler, Frank Castorf, Christoph Schlingensief und Andrej Woron arbeitete. Seit 1995 ist er Lehrbeauftrager für Beleuchtungstechnik an der Technischen Fachhochschule in Berlin. "Der Kurs untersucht ruhrgebietstypische Lichteindrücke, insbesondere den Wandel eines von nächtlichen Lichtemissionen der Industrie geprägten Raumes hin zu einer 'lichtgestalteten' Region von Einkaufs- und Dienstleistungszentren.

Im Vordergrund steht die Analyse vorgefundener Lichtsituationen: typische Arbeitsplatzbeleuchtungen von Berg- und Stahlwerken, Beleuchtung von Einkaufsstraßen und Verkehrswegen, die allgemeine Lichtverschmutzung in unseren Städten. Auf dem Exkursionsprogramm stehen Betriebsbesichtigungen (Bergbau-Untertagebetrieb, Stahlwerk, Automobilwerk), Besichtigungen kulturell neu genutzter Gebäude (Gasometer Oberhausen, Meidericher Hütte) und neu entstandener Zentren (CentrO, Ruhr-Universität Bochum). Die genaue Analyse der vorgefundenen Lichtsituationen wird eine Hauptaufgabe des Seminars sein. Die Fähigkeit, einen visuellen Eindruck in Wirkung und Herstellung genau zu beschreiben, ist für Lichtgestalter unumgänglich. Am Ende des Seminars steht eine praktische Arbeit, die diese Eindrücke in eine Bühnensituation umsetzt und eigene Vorschläge zur Lichtgestaltung formuliert."

"Guerilla Lighting" Jonathan Speirs, Architekt und Lichtdesigner, Edinburgh und London (10 Tage)

Jonathan Speirs studierte Architektur. Er betreibt gemeinsam mit Mark Major zwei Lichtdesign-Beratungsbüros, die in Zusammenarbeit mit Architekten, Grafikern, Designern und Innenarchitekten Konzepte zur Beleuchtung unterschiedlichster Objekte realisieren: Museen, Bürogebäude, Hotels, Einkaufszentren, Galerien, und er kreiert eigene Licht-Installationen und Licht-Skulpturen. Weltweit hat er über 600 Projekte betreut und dabei mit Architekten wie Renzo Piano, Richard Meier oder Nicholas Grimshaw & Partners und mit zahlreichen Firmen wie British Airways, Disney oder Coca Cola zusammengearbeitet. Er konzipiert derzeit das Lichtkonzept für die Kokerei Zollverein in Essen.

Paul Gregory, Lichtdesigner, New York (10 Tage)

Paul Gregory war Beleuchtungsmeister an verschiedenen Theatern, u.a. dem Alley Theatre in Houston, dem Goodman Theatre in Chicago, der Stage West in Springfield, Massachussetts. 1975 gründete er Litelab, eine der führenden Firmen für Niedervolt-Beleuchtungskonzepte. Litelab unterhielt fünf Büros in den USA und realisierte mehr als 1000 Lichtdesign-Projekte, die in fast allen größeren Städten der Welt zu sehen sind. Paul Gregory ist Gründer von Focus Lighting, einer New Yorker Architektur-Lichtdesign-Firma, die Konzepte für Hotels, Restaurants, Casinos, Kinos, öffentliche Gebäude und Denkmäler erstellt.

"In unserem Kurs können interessierte und talentierte Bühnenbildner und Lichtdesigner ihre Kenntnisse im Umgang mit Licht, Architektur und Raum erweitern. Verschiedene Beleuchtungsmöglichkeiten, die ein Erscheinungsbild verbessern oder Widerspruch provozieren, werden analysiert. Am Ende des Kurses werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen guten und schlechten Lichtbeispielen unterscheiden können, wissen, wie Licht im städtischen Umfeld funktioniert, welches geeignete Gebäude für Projektionsprojekte sind, sie werden ein zeitlich begrenztes Beleuchtungskonzept erstellen und die Ergebnisse bewerten. Über mehrere Abende werden eigene Beleuchtungskonzepte erstellt, gipfelnd in einem öffentlichen festlichen Stadtereignis."

Special guest für zwei Tage:

Jean Kalman, Lichtdesigner,
Paris Kalman war Philosophielehrer in Paris und Madagaskar. Über die Fotografie und als Kameramann für Kurzfilme kam er fast zufällig zum Lichtdesign, als er für einen erkrankten Beleuchter im Theater Bouffes du Nord einspringen mußte, der französischen Heimatbühne von Peter Brook. 12 Jahre lang war er Peter Brooks Lichtdesigner, mit der Mahabharata bereiste er die ganze Welt. Er arbeitete u.a. mit den Regisseuren Pierre Audi, Richard Eyre, Peter Stein, Robert Lepage. "Das Licht in großen Bühnenproduktionen wird etwas Bestehendem hinzugefügt, das Licht kommt zum Schluß, nach der Bühne und nach dem Kostüm. Es hat fast die Funktion des Kritikers, oder man könnte auch sagen: Selbst bei der Erschaffung der Welt kam das Licht erst später ins Spiel." In seiner Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern wie Jannis Kounellis, Richard Serra, Karel Appel, Christian Boltanski, dem Tänzer Min Tanaka oder dem Komponisten und Regisseur Heiner Goebbels wird Kalmans Licht dagegen zum handelnden Subjekt, zum selbstständigen Bedeutungsträger, der den Bühnenraum strukturiert und atmosphärische Effekte vermeidet.