|
Szenisches Schreiben
"Ein ABC des Schreibens" Phyllis Nagy,
Autorin, New York (29 Tage)
Studium an den Universitäten von
Virginia und New York, u.a. Musikwissenschaft und Komposition.
Seit 1992 lebt und arbeitet Phyllis Nagy in London. Sie schreibt
Theaterstücke, Drehbücher und Hörspiele und gehört
zu den herausragenden Talenten der jüngeren Autorengeneration.
Ihre Stücke wurden an zahlreichen englischen Bühnen
aufgeführt, u.a. am Royal Court Theatre, Nottingham Playhouse,
Watford Palace Theatre, von der Almeida Theatre Company und auf
ausländischen Bühnen. Sie arbeitet derzeit an neuen
Stücken für die Royal Shakespeare Company und das Royal
Court Theatre.
"Die Struktur der Musik hat mit der
Struktur des Dramas viel gemeinsam. Ein Dramatiker, der die Beziehung
zwischen Musik und Drama nicht versteht, ist für immer verloren.
Lieber würde ich nie mehr ein Stück sehen oder lesen,
als nie mehr ein Musikstück zu lesen oder zu hören."
Man könnte über die Musikalität ihrer Stücke,
über Leitmotive und Einsatz des Kontrapunktes sprechen, wäre
das nicht für den trashigen und populistischen thematischen
Ansatz ihrer Stücke ein zu kunstbeflissener Zugang. Ihre
Stücke, die sie alle als Komödien bezeichnet, "ganz
gleich, wie düster sie sind", kreisen um Fragen persönlicher,
sexueller, nationaler und politischer Identität, um Entwurzelung,
Moral und Gewalt. Ihre Figuren, Pfandleiher, arbeitslose Ku-Klux-Klan-Terroristen,
unbegabte Sängerinnen, Wachleute, Souvenirverkäuferinnen,
stigmatisierte Lesbierinnen, leben bereits in der Katastrophe
und kämpfen schlagfertig, rotzig, wortwitzig dagegen an,
denn "ohne Humor gibt es keine
Menschlichkeit, aber Sentimentalität ist der große
Feind der Humanität im Drama".
"Ich werde die Studierenden durch den
gesamten Prozeß des Stückeschreibens begleiten, von
Anfang bis Ende. Dabei werden folgende Probleme behandelt: die
Bedeutung und Struktur der dramatischen Handlung, die Bedeutung
der Metapher, die Bedeutung der Rahmenhandlung, die relative Unwichtigkeit
des Dialogs, die Frage: wie spiegelt die dramatische Struktur
die der Musik?, Gebrauch und Mißbrauch des Monologs, Konstruktion
der Figuren, der Unterschied zwischen Stück und Erzählung,
der Einsatz von Humor, die Natur des politischen Dramas. Dazu
kommen Textanalyse von klassischen und zeitgenössischen Theaterstücken,
Schreibaufgaben und praktische Übungen."
Phyllis Nagy hat einen weiteren Autor und eine Regisseurin zu
ihrem Kurs eingeladen:
David Harrower, Autor, Edinburgh (5 Tage)
Studium der Anglistik, Amerikanistik und Kunst. David Harrower
lebt in Glasgow. Er arbeitete als Tellerwäscher und engagierte
sich gegen die Stationierung englischer Nuklear-U-Boote und für
eine neue Bodenreform in Schottland. Sein Stück Messer in
Hennen wurde 1995 am Traverse Theatre in Edinburgh und im Bush
Theatre in London aufgeführt und in Berlin von Thomas Ostermeier
an der Baracke des Deutschen Theaters inszeniert. Die Kritikerumfrage
der Zeitschrift Theater heute wählte es 1997 zum besten ausländischen
Stück des Jahres. David Harrower schreibt derzeit für
das Traverse Theatre, Royal Court Theatre, Royal National Theatre
und die Royal Shakespeare Company.
Orit Azaz, Regisseurin, London (8 Tage)
Studium der Philosophie und Psychologie. Orit Azaz arbeitet als
freie Regisseurin an verschiedenen Theatern. Seit 1993 realisiert
sie mit ihrer eigenen Theatergruppe The Common Sense' große
interdisziplinäre Projekte in nicht-theatralen Räumen,
Stadtbespielungen und 'community projects'. Ihre letzte Regiearbeit
Prophecy war ein interdisziplinäres Zirkus-Theater mit 350
Beteiligten. "Kaum ein Platz auf
diesem Planeten, der nicht von Fakten kolonialisiert wurde. Der
Besucher jedes Flecken Erde hat sich vorher über Videos informiert,
das Net konsultiert, oder an einer Bustour mit Führung teilgenommen.
Gibt es andere Möglichkeiten, sich der Realität zu nähern,
als durch Sachinformationen, ausgewählte Anekdoten oder offizielle
Geschichtsschreibung? In einem einwöchigen intensiven Projekt
werden wir die möglichen Beziehungen zwischen Realität
und Drama erforschen."
|