|
Theatermusik
"Mozart ist immer gut" Hans Peter
Kuhn, Klangkünstler und Komponist, Berlin (10 Tage)
Kuhn arbeitet international an zumeist ortsbezogenen Klanginstallationen.
Seit 1978 hat er zu über 30 Theater-, Film- und Ausstellungsprojekten
von Robert Wilson die Musik oder das Klangenvironment gestaltet.
Er arbeitete mit den Regisseuren Claus Peymann, Luc Bondy und
Peter Zadek und schrieb die Musik für zahlreiche Tanzstücke
und Filme. Mit seinen Performances, die sich mit Klängen
und den Phänomenen des Hörens beschäftigen, ist
Kuhn weltweit aufgetreten.
"Ich verstehe meine Arbeiten als permanenten
Fluß. Die Stücke tauchen sozusagen aus dem Rauschen
auf, sind für eine Weile sichtbar und hörbar und tauchen
dann wieder ins Rauschen ein. Letztlich sind sie aber eigentlich
immer vorhanden, nur gewissermaßen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle,
d.h. sie bilden ein Kontinuum, von dem wir nur einen kleinen Ausschnitt
mitbekommen. Ich arbeite grundsätzlich mit alltäglichen
Geräuschen, keinen synthetischen Klängen. Der Zuhörer
ist immer mit bekanntem Ausgangsmaterial konfrontiert, die Töne
vermischen sich mit Erinnerungen an Situationen, in denen man
dieses Geräusch schon einmal gehört hat. Die Komposition
der Klänge stellt dann aber neue, ungewohnte Zusammenhänge
her. Durch die Vermischung der unterschiedlichen Erinnerungsinhalte
entstehen parallel mehrere Zeitstränge aus Vergangenheit
und dem momentan Erlebten."
Im eher theoretischen Teil des Kurses geht es um die Bedeutung
von Klang und Musik im Theater und in der Kunst. Im Anschluß
daran werden die Teilnehmer unter Verwendung digitaler Tonbearbeitungssysteme
an einer Klanginstallation arbeiten. Als Ausgangsmaterial für
die Komposition dienen Tonaufnahmen aus den Lebensbereichen der
Studierenden.
"Tanz mit dem Computer" Thierry de
Mey, Komponist und Filmemacher, Brüssel (19 Tage)
Studium der Filmregie und Komposition. Seit langem flaniert de
Mey erfolgreich zwischen den Disziplinen. Er realisiert eigene
Musikprojekte, ist Mitbegründer verschiedener Bands, z.B.
der MAXIMALIST!, Regisseur und Komponist international ausgezeichneter
Tanzfilme und komponierte die Musik zu verschiedenen Choreographien
von Anne Teresa de Keersmaeker, Wim Vandekeybus, Michèle-Anne
de Mey u.a. Seine Kompositionen wurden von international renommierten
Ensembles wie dem Arditti Quartett und dem Ensemble Ictus aufgeführt.
Er entwickelt Computerprogramme für Musik.
"Bühnen- und Filmmusik ist oft
ein Synonym für 'arme' Musik, der ihre Daseinsberechtigung
nur als Diener des Visuellen zugesprochen wird. Dabei werden die
Inspiration, der Überholvorgang, die Erfindungen vergessen,
die in der Begegnung mit anderen Kunstdisziplinen liegen können.
Daraus ergeben sich nämlich fantastische Entwicklungsmöglichkeiten
für die Algorithmen der Intuition."
De Mey hat zusammen mit einigen belgischen Choreographen vor
bald zwanzig Jahren einen Dialog der Inspiration zwischen Tanz,
Musik und Film begonnen. Forschend, experimentierend, formalisierend
haben sie die Bedingungen definiert, unter denen eine wirklich
'interaktive' Begegnung stattfinden kann, unter Berücksichtigung
der spezifischen unveräußerbaren Eigenarten der jeweiligen
Disziplin.
"Der Kurs wird Kompositionen im Klima
dieser inspirierenden 'Interaktivität' erarbeiten. Der Computer
kann dabei ein sehr schnelles und nützliches Arbeitsmittel
sein, und seine Möglichkeiten sollen ausprobiert werden.
Gearbeitet wird mit unterschiedlichen Materialien: Stummfilmen
aus den 20er Jahren, Geräuschkulissen der Städte, virtuellen
Choreografien."
|