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Die Forscher

"PLATFORM ist Teil einer Kunst des 21. Jahrhunderts, die in der letzten Dekade des 20. Jahrhunderts stattfindet."
Seit 1984 gilt PLATFORM als einer von Europas führenden Vertretern einer Kunst der gesellschaftlichen Praxis. Die Gruppe kombiniert die Talente von Künstlern, Wissenschaftlern, Akivisten und Wirtschaftswissenschaftlern in interdisziplinären Projekten zu Fragen der sozialen und ökologischen Gerechtigkeit. Ihre innovativen und ideenreichen Projekte präsentierte sie in Großbritannien, Jugoslawien, Kanada und den USA.

Seit 1996 arbeitet PLATFORM an dem bisher größten und ehrgeizigsten Projekt 90% CRUDE über Kultur und Einfluß transnationaler Konzerne, insbesondere im Hinblick auf London. Platform gibt eine Präsentation ihrer Arbeit zum Thema "Neue Modelle für die Arbeit mit dem Publikum": - Die örtliche Gemeinschaft. Die Erforschung einer Stadt und ihrer Bioregion nach ökologischen Gesichtspunkten und als Flickenteppich verschiedener Bevölkerungsgruppen. - Die Interessengemeinschaften. Wie wird man einem bestimmten Publikum gerecht, zum Beispiel Umweltschützern oder Angestellten von Großkonzernen.

Neue interdisziplinäre Methoden zwischen Künstlern und Wirtschaftwissenschaftlern. - Die Gemeinschaft der Toten und Ungeborenen. Die Verbindung der heutigen Generation mit jener aus Vergangenheit und Zukunft, besonders im Hinblick auf den Umweltschutz.

"Definitions of Justice" Colleen Scott, Herausgeberin, Autorin, Vortragende, Amsterdam
Im Frühsommer 1997 verbrachte Colleen Scott einige Wochen in Südafrika, um die Arbeit der South African Truth and Reconciliation Commission zu verfolgen. Sie hat über das Thema mehrere Artikel und Essays geschrieben und Vorträge gehalten. Zur Zeit arbeitet sie an einem Buch über die Bedeutung der Versöhnung in 'Übergangsgesellschaften'. Colleen Scott erzählt über die Arbeit des TRC. "Neugierig gemacht durch einige von Peter Sellars' alten Vorträgen, zum Thema "Kunst muß sich für Versöhnung einsetzen", ging ich der Frage nach, wie dies realisierbar sei. Mein Theaterverständnis folgt Aristoteles' Maxime, daß die Handlung das Zentrum des Dramas und daß der Konflikt die Seele der Handlung ist. Konflikte entstehen in einer Kette von Ursache und Wirkung, von Aktion und Reaktion. Und obwohl der Konflikt in der klassischen Form des Dramas gelöst werden kann, ist mir in den unterschiedlichsten Künsten Versöhnung kaum jemals als Mittel der Konfliktlösung begegnet. Zur Zeit beschäftige ich mich insbesondere damit, wie man Versöhnungskonzepte im täglichen Leben oder auch in politischen Aktionen anwenden könnte. Mein Interesse gilt jetzt dem Versuch, Strategien zu finden, wie das menschliche Bedürfnis nach Rache und Vergeltung ohne Blutvergießen bedient werden kann. Kam die ganze Wahrheit in Südafrika ans Tageslicht und war der Versöhnungsprozeß erfolgreich? Wie kann man jemals wieder als normaler Mensch leben, wenn man Opfer der entsetzlichen Greuel eines Apartheid-Regimes war? Warum wählte Südafrika eine 'truth commission' statt einem Tribunal wie das der Nürnberger Prozesse?"

"The Memory Project" Arnold Dreyblatt, Komponist, Video- und Installationskünstler, New York/Berlin
Das Grundthema von Dreyblatts Arbeiten stellt sich in verschiedenen künstlerischen Formen dar, als zeitgenössische Oper und interaktive Performance, sowie in Büchern und digitalen Medien. Sein "Memory Project" verbindet elektronische Medien mit Geschichtsschreibung und Kunst. Die Prozesse und multiplen Wege der Informationsspeicherung von historischen und zeitgenössischen privaten Daten, sei es in Büchereien, Archiven, Museen oder in einer digitalen Datensammlung, werden dem Publikum vorgeführt. Dreyblatt gibt eine Präsentation seiner Arbeit. "Ich setze mein Material der 'vorgefundenen' historischen Quellen der aktiven Beteiligung des Publikums aus und versuche so, Fragen zum kollektiven und individuellen Gedächtnis anzuregen. In den letzten acht Jahren ist durch meine Rekonstruktion und Dekonstruktion der vorgefundenen Texte und Daten eine gewaltige Materialansammlung entstanden, die die Themen der Archivierung und Speicherung selbst zum Inhalt hat. Das "Memory Project" reflektiert eine heutige, spezifisch europäische Manie, über die An- und Abwesenheit von Erinnerung nachzudenken: was suchen wir zu vergessen und was zu erinnern? Das führt zu der Frage wie, warum und wo etwas gespeichert und erinnert wird."